Semiotik
Semiotik gilt als die allgemeine Wissenschaft von den Zeichen, den Zeichenprozessen und der Verbreitung und Wirkung von Zeichen". Ihre Aufgabe ist es, dass "wir Zeichen und ihre Funktionen verstehen und wir uns untereinander besser verstaendigen koennen".
Das Wissen um die Bedeutung und die Interpretationsmoeglichkeiten von Zeichen hilft bei ihrem Gebrauch und ihrter Nutzung. Um Zeichen sinngemaeß einzusetzen sollte man um den Grad der Abstrahierung und um moegliche Interpretataionsansaetze wissen.

 
 

Der Begriff Semiotik
Jeder Mensch benutzt Zeichen und ist beteiligt an Zeichenprozessen. Zeichen helfen den Menschen, sich in ihrer Umwelt zu orientieren und miteinander umzugehen. Jede Sprache enthaelt ein umfangreiches Vokabular an Woertern fuer Spuren, Indizien, Symptome, Ausdruecke, Aeusserungen, Hinweise, Symbole, Interpretationen, Modelle, Mitteilung, Interaktion, Kommunikation. Die Aufgabe der Semiotik ist es, "Zeichen und ihre Funktionen verstehen und wir uns untereinander besser verstaendigen". Die Semiotik oder Semiologie (Griech. Semeion = Zeichen) ist die Interpretation von Zeichen, Strukturen und Ablaeufen von Zeichen und Verstehensprozessen (Semiosen). Sie untersucht die Kommunikation anhand von Zeichen. Damit ist auch aussersprachliche Kommunikation gemeint, denn auch/gerade sie besteht aus Zeichen.

Das semiotische Feld
Die Semiotik ist keine ab und in sich geschlossene Wissenschaft, sondern beinhaltet die verschiedensten Froschungsgebiete Zoosemiotik, medizinische Semiotik, Paralinguistik, visuelle Komunikation, Kunst, Kultur, Rechtswissenschaft, oekonomie, Logik, Erkenntnistheorie, Massenmedien, multimediale Kommunikation, Sprache, Psychologie, Mathematik, Computersemiotik). Die Semiotik
wird heute als sich entwickelnde Wissenschaft mit zwei Saeulen angesehen: 1. die zeichentheoretisch orientierte Semiotik nach Peirce und dessen Nachfolger Morris, 2.die linguistisch-strukturalistisch orientierte Semiologie von de Saussure und spaeter Hjemslev.

Ferdinand des Saussure..go
Charles Sanders Peirce..go
Umberto Eco..go

Zeichentheorien
Generelle Zeichentheorien gehen von drei Elementen aus, die in eine Bedeutunguntersuchung involviert sein muessen: 1. das Zeichen, 2. das worauf es sich bezieht und 3. die Benutzer des Zeichens. Der Zeichenvorrat (sprachliche und nichtsprachliche) und die Regeln mit denen sie interpretiert werden bilden gemeinsam den Code.

Ferdinand de Saussure (1857-1913) gilt als Begruender der modernen Linguistik. Er verstand unter der Semeologie bzw. Semiologie eine Wissenschaft, welche das Leben der Zeichen im Rahmen des sozialen Lebens untersucht. Der Hauptgegenstand ist bei ihm die Sprache, aber er beruecksichtigt auch Schrift,Taubstummenalphabet, symbolische Riten, Hoeflichkeitsformen, militaerische Signale, Flaggencodes, Blindenschrift, Chiffriersysteme,etc. Ihm geht es hauptsaechlich um das verbale Signum, weswegen seine Position als Begruender der Semiotik umstritten ist. Uebertraegt man seinen Ansatz jedoch auf nicht-sprachliches, so ist seine bis heute spuerbare Wirkung durchaus verstaendlich. Ein Zeichen ist bei de Saussure ein physisches Objekt, das eine Bedeutung inne hat: es besteht aus Signifikant (=das Bild des Zeichens) und dem Signifikat (=das geistige Konzept auf das sich das Zeichen bezieht). Beide zusammen bilden eine mentale Einheit: die Signifikation (=Beziehung zwischen dem mentalen Konzept und der Wirklichkeit). Diese Verbindung ist willkuerlich, aber durch gesellschaftliche Konventionen fuer jeden Sprachtraeger verbindlich.Ein Zeichen ist demnach eine Kombination und Assoziation. Aussersprachliche Referenzobjekte bleiben demanch ausgeschlossen. Sein dyadisches Zeichenmodell (Zweiermodell) dient zur Beschreibung der Beschaffenheit sprachlicher Zeichen, wobei drei Aspekte im Vordergrund stehen: die zweiseitige Zeichenstrukur, die mentalistische Konzeption und das Prinzip der Arbitraritaet der Zeichen, was meint, dass die Verbindung von Bezeichnetem und Bezeichnendem auf keinem erkennbaren logischen Grund, sondern auf gesellschaftlichen Konventionen beruht. De Saussure war hauptsaechlich in Sprache interessiert und wie Zeichen (Worte) in Zusammenhang mit anderen Zeichen (Worten) in Beziehung stehen. Fuer ihn besteht ein Zeichen nicht nur aus seiner Form, sondern auch aus dem jeweiligen geistigen Konzept, das mit dem Zeichen assoziiert wird. Die Beziehung zwischen Zeichen und der Realitaet besteht ueber das geistige Konzept desjenigen, der das Zeichen nutzt. Zum Beispiel loest das Wort "Motorrad" bei uns ein geistiges Konzept aus, dieses wiederum verbinden wir mit einer Gruppe von Objekten in der Realitaet. Zeichen koennen vielfaeltige Bedeutungen haben. So kann eine Bezeichnung innerhalb einer Sprache fuer verschiedene Dinge stehen (wie in Wortspielen) oder etwas Bezeichnetes kann durch andere Bezeichnungen (Synonyme) ausgedrueckt werden. Die Beziehung zwischen Bezeichnung und Bezeichnetem ist ontologisch arbitraer: Es wuerde keinen Unterschied machen, wenn wir das, was wir schwarz nennen immer weiž genannt haetten. Das Zeichensystem ist jedoch nicht sozial und historisch arbitraer. Ein Individuum kann ein Zeichen nicht einfach aendern, nachdem es akzeptiert worden und sich historisch in der sprachlichen Gemeinschaft etabliert hat. Sprache spiegelt nicht die Realitaet wieder, sondern konstruiert sie. Nachfolger und Weiterentwickler von de Saussures Theorie waren Roland Barthes und Pierre Guiraud.


Charles Sanders Peirce (1839-1914) gilt als Begruender des Pragmatismus und als Vater der modernen allgemeinen Semiotik, da er in seinem Ansatz immer schon Sprache und non-verbale Teichen miteinbezog. Ein Zeichen ist etwas, das fuer jemanden in gewisser Hinsicht fuer etwas steht. Peirce geht davon aus, dass alles, was uns umgibt Objekte sind und "dass alles Denken notwendigerweise in Zeichen erfolgt, denn jeder Gedanke verweist ebenso auf ein Zeichen auf andere Gedanken und bezieht sich auf ein Objekt in der Welt". Da nun "jeder Gedanke ein Zeichen ist" und " das Leben aus einer Folge von Zeichen besteht", ist fuer Peirce sogar "der Mensch selbst ein Zeichen". Er betrachtet das Ganze Universum als von Zeichen durchdrungen. So gibt es keine Klassen von Zeichen und Nichtzeichen, sondern generell nur Zeichen und die Semiotik wird fuer ihn zur Universalwissenschaft.
Im Zeichenmodell von Peirce richtet sich das Zeichen (Representamen) an eine Person. Dieser Person bedeutet das Zeichen etwas und erschafft im Geiste der Person ein aequivalentes oder weiter entwickeltes Zeichen. Dieses neu erschaffene Zeichen im Geiste der Person wird Interpretant genannt. Das wofuer das Zeichen steht, ist das Objekt. Der Interpretant ist sozusagen, der Effekt den das Zeichen im Bewusstsein des Benutzers ausuebt, nicht der Benutzer des Zeichens. Der Effekt haengt sowohl vom Zeichen und von der Erfahrung des Benutzers mit dem Zeichen ab, wie auch mit dem Objekt fuer das das Zeichen steht. Der Interpretant ist die prototypische mentale Darstellung. Das Objekt (auch Referent, Denotat) meint das was ein Zeichen repraesentiert, ein "Korrelat der Erfahrung". Dieses umfasst nicht nur materielle Objekte sondern auch imaginaere (nur im Kopf des Zeichenbenutzers vorhandene). Das Verstehen des Zeichens setzt die Kenntnis des Objekts voraus. Zeichen entstehen nur im Bewusstsein eines Interpreten, der die Relationen zwischen den drei Einheiten herstellt Ein Zeichen ist nur eines, wenn es als Zeichen interpretiert wird. Der Vorgang des Interpretierens ist der semiotische Prozess, durch den vom Zeichen aus ein Effekt auf den Interpreten ausgeuebt wird, und wird von Perice als Semiose bezeichnet.



Zur Klassifikation eines Zeichens unterscheidet Peirce den Bezug eines Objektes auf sein Zeichen. Ein Zeichen kann demanch ein Ikon, Index oder Symbl sein. Diese sind Representamen, die auf ein Objekt verweisen.

Ein Ikon beruht auf zwei Grundlagen: 1. Erstheit (direktes und primaeres Erfahren des Seins, das noch nicht in einem relationalen Verhaeltnis zum Objekt steht; im Moment der Erstheit wird von einer Zeichenidee geprochen, genuines Zeichen) und 2. Objektrelation (Zeichen sind erst ikonisch, wenn sie aufgrund eigener vom Objekt unabhaengiger Merkmale oder Qualitaeten bezeichnet werden) Das Representamen verweisst aufgrund seiner Eigenschaften ("und damit durch Ÿhnlichkeit"/Abbildlichkeit) auf das Objekt. Ikonzeichen sind zum Beispiel: Piktogramme, einige Schriftsysteme (Chinesisch ist urspruenglich ikonisch gewesen), Fotos, Bilder. Ikone sind bewusste Kommunikationsmittel und werden durch Assoziation interpretiert. Si funktionieren weitgehend kultursprachunabhaengig, wie z. B. Toilettenschilder: das Zeichen steht fuer Mann, nicht fuer Toilette (Ÿhnlichkeit zwischen Figur und Bekleidung wird zur Interpretation genutzt; man muss also verstehen, dass man z. B. als Frau die Frauentoilette benutzen muss, auch wenn man Hosen traegt, denn das Ikon steht in seiner Bedeutung fuer das weibliche Geschlecht). Zu den Ikonen gehoeren auch lautmalerische Ausdruecke wie "wauwau" oder "tuefftueff", sowie unbestimmte Vorstellungen, die Gefuehle hervorrufen. Filme bestehen vornehmlich aus Ikonen, deswegen werden sie vom Zuschauer emotional miterlebt.
Peirce unterteilt das Ikon weiterhin in Bilder, Diagramme und Metaphern. Bilder sind ihrem Bezugsobjekt auf einfache unmittelbare Weise aehnlich (Fotos oder Lautnachahmungen). Diagramme zeichnen sich durch strukturelle Entsprechungen aus, und stellen Ikone von Relationen dar, die als solche von Konventionen und Indices abhaengen. Metaphern sind ikonische Metazeichen, bei denen die Relation der Ÿhnlichkeit auf anderen Zeichen beruht. Die Sequenz Bilder-Diagramme-Metaphern zeigt eine wachsende Distanz vom Ikon zum Unmittelbaren. Ein verringernder Grad der Ableitung impliziert drei Stufen sich vermindernder Ikonizitaet. Die Ikonizitaet ist die Beschreibung des Grades der Ÿhnlichkeit zwischen Ikon und Objekt (nach Morris). Der Ikonizitaetsgrad reicht von : naturalistischen Bildern wie Fotos oder Filmen, ueber realistisch Darstellungen wie Zeichnungen, Gemaelde oder Skulpturen, die nach einem Modell gearbeitet sind, bis hin zu stilisierten Darstellungen, wie z. B. ein Bild, das einen Gegenstand skizzenhaft mit Halbtontrennung zeigt oder zum Piktogramm stilisierten Darstellungen.

Der Index ist ein hinweisendes Zeichen, das direkt auf konkrete Objekte zeigt mit denen es physikalisch verbunden ist oder indirekt durch konventionelle Zeichen wie das deiktische (hinweisend) Wort HIER. Das Indexzeichen hat einen unmittelbaren Bezug zum Objekt, ohne eine Ÿhnlichkeit auf tatsaechlich vorhandene singulaere Objekte, zu denen es eine zeitliche oder raeumliche Relation aufweisst, zu haben. Rauch ist zum Beispiel ein Index fuer Feuer. ein Dialiekt ist ein index fuer die Herkunft, etc. Zwischen Zeichen und Bezeichnetem besteht ein natuerlicher Zusammenhang. Ein Index ist ein Zeichen das direkt und unmittelbar mit dem Inhalt verbunden ist z. B. ein Nieser ist ein Anzeichen fuer eine Erkaeltung, ein Foto eine hungernden Kindes kann ein Index fuer die Hungersnot in der 3. Welt sein.

Ein Symbol verweisst auf sein Objekt infolge von Gesetzmaessigkeit und Gewohnheit. Um ein Symbol richtig interpretieren zu koennen, muss der Benutzer die Bedeutung des Zeichens kennen (sie vorher erlernt haben)Der Begriff des Symbols zaehlt zu den vieldeutigsten, zentralen und haeufig gebrauchten Termini in den Geisteswissenschaften. Das Peircesche Symbol ist nicht der Gleiche wie bei de Saussure oder in der Literaturwissenschaft (= sprachliches Bild mit zusaetzlicher spiritueller Signifikanz, z. B. das fuer Gerechtigkeit stehende Symbol der Waage, welches fuer Peirce ein Ikon waere) und beruht auf Arbitraritaet und Konventionalitaet. Das Symbol ist ein "Spezifikum der menschlichen Sprache". Seine Beziehung zum Objekt beruht weder auf Ÿhnlichkeit noch auf Folgeverhaeltnissen. Vorraussetzung zum Verstehen ist die Kenntniss der Konvention, zum Beispiel der menschlichen Sprache. Das Interpretieren von Symbolen beruht auf erlerntem Wissen z. B. Zahlenkombinationen, Buchstabenfolgen, Farben. Die Bedeutung der Symbole unterliegt dem Wandel und kann kulturspezifisch sein. Oft sind gegenstaendliche Bezuege vorhanden, doch die Rezipienten wissen meistens sofort, das sie nicht "woertlich" zu nehmen sind (zum Beispiel beim "apple" oder "windows"-Logo). Den Zeichen werden in der jeweiligen Gesellschaft assoziierte Bedeutungen gegeben. Die Individuen in einer Gesellschaft interpretieren diese Zeichen annaehernd gleich.

Der Zeichenvorrat (sprachliche und nichtsprachliche) und Regeln bilden gemeinsam den Code. Das Ziel in einer Gesellschaft ist es also, die Zeichen zu deuten bzw. zu dekodieren. Drei Kodearten lassen sich im groben unterscheiden: Soziale Kodes (Sprache, Koerpersprache, Waren, Verhalten), Text-Kodes (Wissenschaft, Ÿsthetik, Stile, Massenmedien) und interpretative Kodes (Wahrnehmung, Ideologie). Soziale Differenzierung ist beobachtbar durch verbale und non-verbale Kodes (z.B. Kleidungsvorschriften). Blick-Kodes regulieren, wie Menschen andere anschauen duerfen, und was als hoeflich bzw. unhoeflich gilt. Beruehrungs-Kodes bestimmen, welche Koerperteile vom gleichgeschlechtlichen Freund, vom andersgeschlechtlichen Freund, dem Vater, der Mutter beruehrt werden duerfen. Dabei gibt es grože kulturelle Unterschiede.
Auch Film und Fernsehen arbeiten mit unzaehligen Kodes: Kameraarbeit (Fokus, Kamerafuehrung, Komposition), Filmschnitt, Zeitmanipulation (Zeitlupe, Zeitraffer, Verdichtung, Flashbacks) Beleuchtung, Farbe, Musik, Erzaehlweisen. Filmschnitt-Kodes z.B. sind uns so vertraut, dass sie uns nicht bewusst sind, bis sie gebrochen werden. Sie scheinen so natuerlich, dass man meint, sie reflektierten Realitaet und es ist nicht leicht, sie als Kodes zu akzeptieren.
Codes sind unterschiedlich in verschiedenen Kulturen und sozialen Gruppen, sowie in historischer Hinsicht. Wir lernen die Welt anhand von Kodes und Konventionen zu lesen und nehmen so eine bestimmte Weise zu sehen an. Diese wird dann als natuerlich empfunden und nicht als konstruiert. Kodes haben einen Ursprung und entwickeln sich. Es handelt sich um dynamische Systeme, die sich mit der Zeit veraendern.

Vergleich sowohl Peirce als auch de Saussure suchen nach Bedeutungen in ihren strukturellen Beziehungen, de Saussure untersucht auch die Beziehung zwischen einem Zeichen und weiteren Zeichen des Zeichensystems, so kann sich die Bedeutung eines Zeichens beispielsweise dadurch vermitteln, was mit dem Zeichen nicht gemeint ist. Zum Beispiel waere die Bedeutung des Zeichens "Mann" dadurch bestimmt, wie es von anderen Zeichen differenziert wird, "nicht Frau", "nicht Tier", "nicht Junge". Bedeutung eines Zeichen wird also in erster Linie durch die Beziehung eines Zeichens zu anderen Zeichens bestimmt, und nicht durch die Beziehung zur externen Realitaet. Dies ist der groesste Unterschied zwischen Peirce und de Saussure.


Umberto Eco (*1932) gilt als der wohl bekannteste Zeichentheoretiker unserer Zeit. Er tritt 1975 die weltweit erste Professur fuer Semiotik an der Universitaet Bologna an. Ecos Interesse an der Zeichentheorie und praktischen semiotischen Forschung liegt besonders in den Bereichen von Ÿsthetik und Literaturtheorie und der theoretischen Fundierung der Semiotik, die er im Anschluss an Peirce und Morris zu einer universalen Kulturtheorie ausbaut. Dabei skizziert die Semiotik als ein dynamisches Kulturmodell von sich veraendernden Codes und stets neuen Regeln. Im Mittelpunkt von Ecos Forschung steht das prinzipiell unabschliežbare Projekt einer allgemeinen Theorie der Zeichen als Grundlage jeglicher Beschaeftigung mit kulturellen Phaenomenen. Daneben hat sich Eco immer wieder speziell mit Fragen der Poetik beschaeftigt: Anders als manche strukturalistische Textinterpretation versteht Eco die Bedeutung eines Textes als das Ergebnis eines Kommunikationsprozesses zwischen Text und Leser. Insbesondere kuenstlerische Texte weisen - in unterschiedlichem Maže - Mehrdeutigkeiten auf, die ein Leser in beliebiger oder systematischer Weise aufloesen kann. Die jeweilige Interpretation haengt demzufolge davon ab, welches Weltwissen und welche Codes der Leser an den Text herantraegt, um ihn zu verstehen. Eco interessiert dabei v.a. "die Art und Weise, in der der Text diese Art interpretativer Zusammenarbeit vorsieht und lenkt" (Eco 1987, S. 31), wie er also den Prozež kontrolliert, in dem der Leser aufgrund seiner enzyklopaedischen Kompetenzen die passenden Bedeutungen aus der Summe der vielen moeglichen, aber kontextabhaengigen Bedeutungen der einzelnen Textelemente waehlt.
Abgrenzungen innerhalb der Semiotik sind umstritten. In diesem weitesten Sinn wurde ihr Forschungsgegenstand in der Zeitschrift fuer Semiotik 1979 definiert: Die Semiotik untersucht als Wissenschaft von den Zeichenprozessen alle Arten von Kommunikation und Informationsaustausch zwischen Menschen, zwischen nichtmenschlichen Organismen und innerhalb von Organismen. Sie umfasst also zumindest teilweise die Gegenstandsbereiche der meisten Geistes- und Sozialwissenschaften sowie der Biologie und Medizin. Umberto Eco hingegen will den Bereich der Semiotik, wie schon die Prager Schule, allein auf die menschliche Kommunikation (Semiotik der Architektur, Semiotik des Films, Semiotik der Literatur etc.) beschraenken und so einen Grožteil der Kybernetik und Informationstheorie ausgeschlossen wissen.

Heute ist die Semiotik eine Grundlagenwissenschaft der Medienforschung, weil sie Zeichensysteme in den Medien und die einzelnen Medien als Zeichensysteme, Strukturen und Bedeutungen der Zeichen in den Medien, die Prozesse ihrer Verbreitung, ihre Wirkung auf die ÷ffentlichkeit und einzelne Rezipienten im gesellschaftlichen Kontext untersucht. Als die Semiotik damit begann, ihren Analysehorizont von der verbalen Kommunikation auf das groežere Gebiet der Zeichen in den Medien zu erweitern, folgte sie zunaechst dem Programm Ferdinand de Saussures, wonach die Prinzipien der strukturalen Linguistik Leitlinie zur Erforschung nichtverbaler Zeichensysteme sein sollten. Ca 1960 begannen Sprach- und Literaturwissenschaftler ihren Analysehorizont ueber den klassischen Kanon von Sprache und Literatur hinaus, auf den weiteren audiovisuellen Kontext von Sprache und Texten auszudehnen und Medien wie Bild, Photographie, Comics, Film und Fernsehen oder medienbezogene Themen wie Werbung oder den ideologischen Diskurs in der Presse zum Gegenstand ihrer Forschung zu machen.
Es gibt jedoch bis heute keinen einheitlichen Ansatz zur medienwissenschaftlichen Forschung. Die Vielfalt von Modellen und Ansaetzen unterschiedlicher Richtungen und Schulen hat allerdings einen gemeinsamen Nenner: die alltaeglichen Botschaften der Medien nicht nur als verbale Texte zu betrachten, sondern auch ihren nonverbalen, visuellen und kulturellen Zusammenhang im Rahmen einer allgemeinen Soziosemiotik der Medien oder einer semiotischen Theorie der multimedialen Kommunikation zu beruecksichtigen.

 

   
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Grundlagen der Semiotik

Semiotik Kurzfassung
   
 
Extern..


http://www.semiotik.org/..go

Einfuehrung in die Semiotik von Umberto Eco..go

Mythen des Alltags von Roland Barthes..go


 

 

 

 

 


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 









Abbildungen mit sich veringerndem Ikonizitaetsgrad.